Monat: Oktober 2017

Die Kameras des iPhone 8 Plus

Vor ein par Tagen stand eine Vertragsverlängerung meines Handyvertrages an und damit auch ein neues Handy. Ich habe mich für das iPhone 8 Plus von Apple entschieden. Am interessantesten an dem Gerät finde ich die Dualkamera, über die ich in diesem Blogbeitrag schreiben möchte.

Ja, es sind wirklich zwei Kameras im iPhone 8 Plus verbaut. Eigentlich drei, denn es gibt ja auch noch die Facetime-Kamera. Die rückseitigen Kameras haben zwei verschiedenen Brennweiten. Über die Brennweite der verbauten Kameras macht Apple keine Angaben, spricht aber von einem Weitwinkel- und eine Teleobjektiv, was ich bestätigen kann. Das Weitwinkel-Objektiv hat eine Blende von 1.8 und das Teleobjektiv von 2.8.

Mit den beiden Objektiven ergeben sich ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten bei der Fotografie mit dem Handy, da ich endlich quasi einen optischen Zoom habe, auch wenn zwei Festbrennweiten verbaut sind. Aber dazu später mehr.

Zum testen der Kameras war ich gestern mal draußen im Park und habe etwas herumgespielt. Die folgenden Bilder habe ich für den Blog nur etwas verkleinert, aber sonst unbearbeitet gelassen, abgesehen von den Bearbeitungen, welche die Software des iPhones automatisch vornimmt. Hier sind wir schon beim ersten Punkt: Die mitgelieferte Kamera-App des iPhones macht keine RAW-Fotos im DNG-Format, sondern erzeugt HEIF– bzw. JPEG-Bilder. HEIF steht für High Efficiency Image File Format und stellt einen effizienteren und qualitativ besseren Kompressionsalgorithmus als JPEG dar. HEIF ist aber noch immer eine verlustbehaftete Kompression und kein Ersatz für das RAW-Format. Wenn man dieses auf dem iPhone nutzen möchte, sind Apps von Drittanbietern nötig, wie zum Beispiel Lightroom CC für Mobilgeräte.

Übrigens bin ich gestern noch auf eine Tücke beim Import von Fotos aus der Fotos-App von Apple in Lightroom CC auf dem iPad gestoßen: Bilder, die ich im Portraitmodus der iPhone-Kamera gemacht habe, sind ohne die automatischen Bearbeitungen des iPhones in Lightroom CC gelandet, sahen also in Lightroom CC ganz anders aus, als in der Fotos-App von Apple.

Das erste Foto ist eine Aufnahme im Automatik-Modus des iPhone 8 Plus mit dem Weitwinkelobjektiv:

Alles in allem die bekannte Optik eines iPhones.

Im nächsten Bild habe ich das Teleobjektiv in der Standard-Einstellung 2x benutzt.

Deutlich der der Zoom zu sehen, der für die Bildgestaltung ein echter Gewinn ist. Auch der Hintergrund wird deutlich unscharf gezeichnet. Wohl gemerkt: Es handelt sich um einen optischen Zoom, der keinen Qualitätsverlust im Bild zur Folge hat.

Das iPhone 8 Plus bietet einen Portraitmodus mit verschiedene Möglichkeiten einer simulierten Beleuchtung. Das nächste Bild ist im Portraitmodus mit der Einstellung Natürliches Licht gemacht worden:

Hier versucht die Software des iPhones , die Person, bzw. Das Gesicht zu erkennen und zeichnet den Hintergrund unscharf. Das funktioniert offenbar ganz gut. Einige Schärfeverluste beim Motiv sind aber durchaus sichtbar. Trotzdem ist es eine gute Möglichkeit, das eigentliche Motiv vom Hintergrund freizustellen. Wird solch ein Bild in Lightroom auf dem iPad importiert, ist der Freistellungseffekt weg und es sieht aus, wie das zweite Bild in diesem Artikel.

Das folgende Foto ist wieder im Portraitmodus mit der Einstellung Studiolicht fotografiert worden:

Ich kann nur wenige Unterschiede zum Bild davor erkennen. Die Skulptur erscheint vielleicht einen Tick heller als im Bild davor.

Gespannt war ich auf die Einstellung Konturenlicht. Hier hatte ich mir einen deutlichen Effekt erhofft, wurde aber leider enttäuscht:

Die Konturen sind vielleicht einen Tick besser betont, als in dem Bild davor. Für mich ist der Effekt aber kaum sichtbar.

Deutlicher und viel besser in Szene gesetzt ist aber der Effekt Bühnenlicht, der die Figur deutlich sichtbar beleuchtet und fast komplett vor dem Hintergrund freistellt:

Wie gut das bei komplizierteren Modellen, z.B. mit fliegenden Haaren funktioniert, muss ich noch ausprobieren.

Den gleichen Effekt gibt es auch noch mal in Schwarz/Weiß:

Auch das sieht ganz hübsch aus. Selbst die Schatten unter dem Kinn und der Nase sind gut simuliert. Es ist schon beeindruckend, was heute mit der Software eines Smartphones automatisch generiert werden kann.

Den Panoramamodus habe ich auch noch ausprobiert. Dabei wird das iPhone im Portraitmodus geschwenkt und setzt dann automatisch ein Panorama aus Einzelbildern zusammen.

Das funktioniert offenbar ganz zufriedenstellend.

Es gibt außerdem noch einen HDR-Modus, der automatisch zwei unterschiedlich belichtete Bilder zusammensetzt. Den habe ich gestern noch verzweifelt gesucht, bis ich entdeckt habe, dass es in den Einstellungen der Kamera-App den Modus Auto-HDR gibt. Ist der aktiviert, ist das Menü HDR in der Kamera-App nicht mehr vorhanden. Anders, als bei der mobilen Version von Lightroom CC werden hier aber nicht zwei RAW-Fotos kombiniert, sondern zwei komprimierte Bilder.

Zum Abschluss habe ich noch einmal zwei Bilder bei schlechtem und ganz schlechtem Licht mit und ohne Blitz gemacht, um einen Eindruck über das Rauschverhalten des Sensors des iPhone 8 Plus zu bekommen.

Das Bild wurde mit der Weitwinkel-Kamera aufgenommen. Da sie eine höhere Lichtstärke als die Telekamera hat, ist sie für Aufnahmen bei schlechtem Licht besser geeignet. Mit den Einschränkungen eines Weitwinkels (wie hier deutlich zu sehen), muss man dann halt leben. Das Bildrauschen hält sich hier für eine Smartphone-Kamera noch gut in Grenzen. Auch der Dynamikumfang ist noch akzeptabel. Das Bild wurde mit ISO 200 aufgenommen. In den meisten dunklen Flächen ist noch Zeichnung zu erkennen.

Dann ging es in den Keller, um die Kamera fast bei Dunkelheit mit dem eingebauten Blitz zu testen.

Deutlich ist zu sehen, dass der Blitz in Kopfhöhe ausleuchtet und einen leicht rötlichen Ton an der Wand erzeugt. Der Blitz ist also für Gesichter optimiert und in seinem Wirkungsradius stark begrenzt.

Alles in allem ist die Kamera des iPhone 8 Plus durchaus gelungen und schon fast als Ersatz für eine Kompaktkamera geeignet. Zum Festhalten qualitativ guter Bilder als Erinnerung für das Familienalbum ist sie allemal ausreichend.

Es gäbe noch einiges über die Kamera-App des iPhones zu schreiben, z.B. über die mitgelieferten Live-Effekfilter, Live-Fotos oder die Videofunktionen. Aber das sollte erst einmal genügen.

Wenn Ihr mal Bilder von Euch mit einer professionellen Kamera wollt, dann kommt bei mir im Studio vorbei. Shootings gibt es nach Terminabsprache. Auch am Wochenende oder bei Euch zu Hause.

Newsletter

Ich habe ein Newslettersystem auf meiner Website integriert.

Wenn Ihr über Angebote und Aktionen, Neues auf der Website oder an neuen Blogbeiträgen interessiert seid, dann könnt Ihr hier Euren ganz persönlichen Newsletter abonnieren.

Übrigens: Ich werde Euch nicht mit Werbung zuspammen. Mein Ziel ist es, interessante Informationen rund um die Fotografie und meine Angebote zu veröffentlichen.

Wer sich für meinen Newsletter registriert, erhält mein Buch „Vorhang auf!“ über die Akademie Reuschberg kostenlos im ePub-Format als Geschenk.

Ich freue mich auf viele Anmeldungen!

Lightroom Classic CC und Lightroom CC gemeinsam nutzen

Gerade habe ich etwas mit den beiden Lightroom-Varianten herumgespielt. Mir stellte sich die Frage, ob ich beide Programme parallel nutzen kann. Vor allen Dingen: Was passiert bei der Synchronisation?

Lightroom Classic CC nutzt zur Organisation von Sammlungen Sammlungssätze. Diese können hierarchisch organisiert werden. Allerdings wird diese Hierarchie nicht in Lightroom CC abgebildet. Wenn ich für eine Sammlung in Lightroom Classic CC die Synchronisation mit Lightroom Mobile aktiviere, erscheint die Sammlung in Lightroom CC auf der obersten Ebene. Ich kann aber diese Sammlung in Lightroom Mobile in einen Ordner verschieben. Dies hat keine Auswirkungen auf die Einordnung der Dateien und der Sammlung selbst in Lightroom Classic CC.

Wenn ich in Lightroom CC eine Sammlung anlege, erscheint sie in Lightroom Classic CC im Sammlungssatz Von Lr Mobile. Auch hier kann ich diese Sammlung in die Hierarchie von Lightroom Classic CC einordnen, ohne das dies Auswirkungen auf die Ordnerstruktur in Lightroom CC hätte.

Was passiert aber mit den Dateien selbst? In Lightroom Classic CC kann ich einen Speicherort für die Dateien von Lightroom CC angeben – und zwar unter Voreinstellungen -> Lightroom CC -> Ort. Dort gebe ich den Speicherort der Lightroom CC-Dateien an und ob Unterordner genutzt werden sollen.

Ich kann aber auch meine bisherige Ordnerstruktur in Lightroom nutzen und Dateien, die sich in dem Sammlungssatz Von Lr mobile befinden, in meine eigene Ordnerstruktur verschieben. Dann werden diese Dateien aus dem Speicherort für die Lightroom CC-Dateien zu meinem eigenen Speicherort verschoben. Egal, ob ich das tue oder nicht: Dies hat keine Auswirkungen auf die Synchronisation mit Lightroom CC. Die Dateien liegen immer zweifach, lokal und in der Cloud, vor.

Ich kann also Lightroom CC und Lightroom Classic CC parallel nutzen. Allerdings muss ich dann die Ordnerhierarchie in beiden Programmen pflegen. Resultat ist dann, dass ich einen Katalog in der Cloud und einen Katalog lokal habe. Genauso verhält es sich mit den Dateien, die synchronisiert werden. Auch diese liegen dann lokal und in der Cloud vor, was zwar den doppelten Speicherplatz verbraucht, aber auch eine zusätzliche Sicherungskopie bedeutet. Außerdem kann ich alle Funktionen von Lightroom Classic CC nutzen und habe trotzdem in Lightroom CC eine sauber strukturierte Ordner-Hierarchie.

Ideal ist diese Lösung nicht. Besser wäre, wenn Adobe es schaffen würde, eine App mit den Vorteilen beider Lightroom-Versionen herauszubringen. Der jetzige Zustand schafft nur Unsicherheit und Verwirrung. Aber was nicht ist, kann ja noch kommen…

Adobe Lightroom CC

Heute wird es mal etwas technisch. Vor ein paar Tagen hat Adobe seine Creative Suite runderneuert. Für Fotografen sind vor allen Dingen die Neuerungen bei Lightroom und Photoshop interessant. Vor allen Dingen bei Lightroom hat es fundamentale Veränderungen gegeben. Adobe hat Lightroom neu erfunden. Es gibt jetzt zwei Versionen: Adobe Lightroom CC und Adobe Lightroom Classic CC. Beiden ist gemein, dass es sie nur noch mit einem Adobe Abo gibt. Lightroom Classic CC ist das altbekannte Lightroom mit ein paar sinnvollen Neuerungen. Adobe Lightroom CC ist das neue Produkt. Darüber will ich heute schreiben.

Das neue Lightroom kommt mit einer sehr aufgeräumten Oberfläche daher, die fast identisch mit meiner iPad-Version ist. Was am Mac vorhanden ist und auf dem iPad fehlt, ist der Bereich Geometrie, früher Upright. Die Strukturierung in einzelne Module ist weggefallen.

Das Programm funktioniert nur noch in der Cloud. Das bedeutet, alle Originale liegen in der Cloud. Es gibt dafür Speicherpläne bis 10 TB. Was passiert, wenn ich mehr Speicher brauche, ist noch unklar. Ich kann festlegen, wieviel Speicher auf meiner lokalen Platte von Lightroom verwendet wird.

Lightroom CC startet schnell und arbeitet deutlich flotter, als die Classic-Variante. Fast alle vertrauenden Bearbeitungswerkzeuge sind vorhanden. Aber hier hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Der Versuch, eine Schlagworthierarchie zu erstellen, schlug fehl, weil es so etwas nicht mehr gibt. Dafür läuft offenbar eine Erkennung der Bildinhalte im Hintergrund. Ich kann also nach Bildinhalten suchen, auch wenn es dafür kein Schlagwort gibt. Erste Tests verliefen vielversprechend.

Die Module KarteBuchDiashowDrucken und Web sind komplett weggefallen. Die Abteilung Vorgaben ist wohl noch nicht fertig geworden. Ich habe bis jetzt keinen Weg gefunden, wie ich Entwicklungsvorgaben erstellen kann. Wenn da jemand einen Tipp für mich hat, kann er sich gerne bei mir melden. Auch das Tethering, also der direkte Import von Bildern beim Shooting aus der Kamera, ist dem Rotstift zum Opfer gefallen.

Der Import der Bilder wurde komplett vereinfacht und abgespeckt. Mit der Folge, dass ich außer dem eigentlichen Import fast keine Optionen mehr habe. Weder kann ich Bilder umbenennen, noch Entwicklungsvorgaben anwenden, etc. Dies hat in der weiteren Bearbeitung natürlich einen erheblichen Mehraufwand zur Folge. Lediglich die Zuordnung der Bilder zu einer Sammlung ist möglich.

Hier bin ich mal wieder bei den positiven Aspekten vom neuen Lightroom. In den Sammlungen ist (auch am iPad) eine hierarchische Struktur möglich. Dies ist definitiv ein großer Fortschritt gegenüber der vorherigen Version. Allerdings ist das nur bei den mobilen Geräten ein Schritt nach vorn. In Lightroom Classic ging das schon immer. In der Bibliothek lege ich keine Ordnerstruktur mehr an. Statt dessen können die Bilder automatisch nach Datum geordnet anzeigt werden. Dazu gibt es die Möglichkeit, alle Fotos oder die zuletzt hinzugefügten darzustellen.

Nicht mehr vorhanden sind auch die Veröffentlichungsdienste. Nicht einmal für Adobes eigenen Dienst Adobe Stock.

Im Bereich Entwickeln finden wir die altbekannten Werkzeuge wieder. Warum Adobe die Gradationskurve gestrichen hat, ist mir ein absolutes Rätsel. Es gibt kein besseres Werkzeug, wenn man am Kontrast und den Farben Feinabstimmungen vornehmen muss. Ansonsten ist hier aber alles vorhanden und funktioniert auch so, wie gewohnt.

Ganz übel aufgestoßen ist mir, das es in Lightroom CC keinerlei Möglichkeit mehr gibt, Bilder zu drucken. Das bedeutet, dass jedes Bild vor dem Drucken entweder exportiert oder in Photoshop geöffnet werden muss. Dies ist eine echte Zumutung. Auch Kontaktbögen, etc. sind damit nicht mehr möglich.

Adobe hat mit dem neuen Lightroom eine Software geschaffen, die sich Einsteigern schnell erschießt und flott arbeitet. Für Profis fehlen elementare Funktionen, die für einen flüssigen Workflow unverzichtbar sind. Eine Unmenge sinnvoller Funktionen ist gestrichen worden. Völlig unklar ist für mich auch, wohin die Reise geht. Wird Lightroom Classic CC noch weiter entwickelt und bleibt es das Tool für die Profis oder ist Lightroom CC der erste Wurf des zukünftigen Lightrooms. Von Adobe habe ich dazu keine klare Aussage gefunden. Immerhin wird Lightroom CC als die Zukunft der Fotografie beworben. Ich vermute eher das Zweite. Warum sollte man auch zwei konkurrierende Produkte entwickeln? Auf der anderen Seite könnte es sein, dass Adobe eine Version für Profis und eine für ambitionierte Amateure zur Verfügung stellen will. Ähnlich wie dies bei Photoshop und Photoshop Elements der Fall ist. Eine klare Aussage zu Adobe Strategie diesbezüglich wäre wirklich hilfreich. Hier lässt Adobe die Nutzer komplett im Regen stehen. Dies ist umso schlimmer, als das die Entscheidung für eine bestimmte Fotodatenbank die eigene Arbeit über Jahre hinweg beeinflusst.

 Die komplette Verlagerung des Datenbestandes in die Cloud ermöglicht ein fast konsistentes Arbeiten vom Desktop über das Tablet bis zum Handy. Wer das benötigt, profitiert hier wirklich vom neuen Lightroom. Allerdings ist man dann Adobe auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

Für den Profi ist Lightroom CC definitiv noch nicht geeignet. Dazu fehlen elementare Werkzeuge, wie die Gradationskurve, ein Druckmodul und die Möglichkeit, mit Vorgaben zu arbeiten. Für den ambitionierten Amateur ist Lichtrom CC ein einfacher Einstieg in die RAW-Entwicklung- und Verwaltung, wenn er mit der Bindung an Adobe leben kann. Es drängt sich der Eindruck auf, dass Adobe hier ein nur halbfertiges Produkt auf den Markt geworfen hat, statt eine solide Neuentwicklung abzuliefern, die auch für professionelle Anwender  nutzbar ist.

Der nächste Beitrag wird sich mit den Kameras des neuen iPhone 8 Plus beschäftigen.

Falls Ihr mal gute Fotos braucht, kommt bei mir im Studio vorbei oder ruft einfach an. Meine Nummer steht in der linken Seitenleiste.

Lichtspiele

Am Wochenende war meine Tochter und ihr Freund zu Besuch. Das haben wir gleich zum Anlass genommen, ins Studio zu gehen. Mein Ziel war es, etwas mit meinen Blitzen zu spielen und unterschiedliche Lichtsetzungen und Hintergründe auszuprobieren.

Zuerst haben wir klassische Closeups probiert.

Es gibt viele, die diese Art von Aufnahmen toll finden. Mein Geschmack ist das eher nicht. Aber es ist ein gutes Beispiel für die Lichtsetzung. Wie man in den Augen des Models sehen kann, habe ich mit zwei Blitzen gearbeitet. Vor dem linken Blitz war ein Schirm und vor dem rechten eine quadratische Softbox. Das Licht kam ganz leicht von oben und wurde von schräg vorne auf das Model gerichtet. Die frontale Fotografie, der symmetrische Lichtaufbau und der geringe Abstand des Models zum Hintergrund haben Schatten verhindert und den Hintergrund sehr weiß erscheinen lassen. Das Bilde wurde, genauso wie das nächste mit einer 85 mm Festbrennweite von Tamron aufgenommen. Dieses leichte Teleobjektiv eigent sich auf Grund seiner Brennweite und seiner sanften Zeichnung sehr gut für Portraitaufnahmen. Außerdem ist es mit seiner Lichtstärke von 1.8 auch sehr gut bei schlechten Lichtverhältnissen einsetzbar.

Das nächste Bild entstand mit dem gleichen Licht ganz spontan, als sich meine Tochter die Haare zurecht gemacht hat.

Dieses Bild habe ich in Lightroom in schwarz/weiß umgewandelt. Die Bearbeitung war hier etwas aufwendiger, weil der vordere Arm viel näher am Objektiv der Kamera war, als der Rest des Motivs. Dies führte im Originalbild dazu, dass der vordere Arm sehr dick erschien. In Photoshop habe ich das mit den Filter „Verflüssigen“ korrigiert. Solche Korrekturen betrachte ich nicht als Manipulation am Bild, sondern als Korrektur von technischen Unzulänglichkeiten.

Dann haben wir den weißen Hintergrund gegen einen schwarzen ausgetauscht. Das Ziel waren sehr düstere, männliche Bilder.

Auch hier habe ich wieder mit zwei Blitzen leicht von oben und schräg von vorn gearbeitet. Allerdings hatte der linke Blitz mit dem Schirm nur ein viertel der Lichtleistung des rechten Blitzes. Der wiederum wurde mit einem Beautydisch und vorgesetzter Wabe betrieben. Dies hat auf der rechten Seite des Gesichts zu einem sehr harten, gerichteten Licht geführt. Auch hier fand ich die Umsetzung in schwarz/weiß deutlich ansprechender als die farbige Variante.

Natürlich musste noch ein Pärchenfoto gemacht werden.

Dazu habe ich ein ganz einfaches Setting genutzt: Ein Blitz von links mit einer Wabe davor. Auch dies ist gut in den Augen zu sehen. Eigentlich ist eine Wabe nicht das perfekte Tool, um eine Frau abzulichten, weil jede Unreinheit in der Haut sichtbar wird. Aber meine Tochter bestand darauf, weil sie den Bildlook schön fand. Also habe ich dann in Lightroom etwas nachgearbeitet: Die Klarheit etwas verringert und an einigen Stellen etwas repariert.

Reportage Kölner U-Bahn

Heute gibt es noch einen Artikel über eine kleine Arbeit, die während meiner Präsenzphase bei meinem Fotostudium entstanden ist. Wir bekamen die Aufgabe in Köln eine Reportage zu fotografieren. Der Rahmen waren 12-15 Bilder. Das Thema war frei. Ich hatte mich für die Kölner U-Bahn entschieden. U-Bahnhöfe haben mich schon immer fasziniert. Diese Mischung aus kalter Einsamkeit und hektischer Betriebsamkeit inspiriert mich immer wieder.

Meine Ausrüstung war eine Olympus E-PL8 mit Kit-Objektiv. Eine kleine unauffällige Kamera, die für diesen Zweck gut geeignet schien. Ich war mir am Anfang nicht sicher, ob dies die richtige Wahl gewesen war, ist doch die Lichtstärke des Objektivs und das Rauschverhalten des Sensors nicht ansatzweise mit einer Vollformat-DSLR und einer guten Linse zu vergleichen. Auf der Haben-Seite stand aber, die kleine Größe der Kamera und das schwenkbare Display, was schnelle und unauffällige Aufnahmen sehr erleichtert. Außerdem kommt es auch viel mehr auf das Motiv, als auf teure Technik an.

Also machte ich mich auf den Weg und tauchte gleich in den Untergrund ab. In der Schildergasse ging es los.

Gleich an der ersten Station fand ich eine reizvolle Architektur, die ich festhalten musste.

Aber mich interessierten auch die Menschen, die auf die U-Bahn warteten. Ein hübsches Motiv ergab sich dann auch sehr schnell. Jeder der Wartenden schien eine andere Geschichte zu haben und anderen Gedanken nachzuhängen.

Ich wollte mich nicht nur auf eine Station beschränken und so nahm ich die erste U-Bahn und machte mich auf den Weg.

Am Neumarkt gönnte ich mir einen Kaffe, den ich gleich mit einem Selfie festhalten musste.

Ein vollgestopfter Laden mit allen möglichen Krimskrams zog bald meine Blicke auf sich.

Nach einer weiteren U-Bahn-Fahrt entdeckte ich einen sehr verlassenen wirkenden U-Bahnhof.

Die langen leeren Gänge luden geradewegs zu einem Foto ein.

Der Reinigungsservice hielt die Gänge sauber. Für wen eigentlich?

Auf dem Bahnsteig war dann wieder mehr Leben. Laut singend kam eine Frau die Treppen zur Station herunter und machte sich vor einem Aushang, der als Spiegel herhalten musste, hübsch.

Die Bilder wurden mit sehr hohen ISO-Werten aufgenommen (800-3200). Dies war bei dem wenigen Licht in der U-Bahn nicht zu vermeiden. Oft habe ich eine Belichtungszeit an der Grenze des Erträglichen (1/60 s oder etwas darunter) gewählt um nicht noch höhere ISO-Werte einstellen zu müssen.

Das wichtigste für solche Bilder war aber, dass ich mich auf die Stimmung in der U-Bahn eingelassen habe. Die schönsten Bilder gelingen mir, wenn ich mich in einem leicht meditativen Zustand befinde. Ich bin ruhig, die Aufmerksamkeit ist geschärft und die Motive strömen nur so auf mich ein. Dazu kommt, dass man bei der Reportage oder der Streetfotografie seine Kamera blind bedienen können muss. Die Motive ergeben sich in Sekunden und sind genauso schnell wieder weg. Deshalb habe ich oft mit einer fest eingestellten Verschlusszeit gearbeitet. Auch den ISO-Wert habe ich vorher fest eingestellt. Die Belichtung habe ich mittenbetont gemessen. Bei Motiven, bei denen es nicht auf Geschwindigkeit ankam, habe ich manuell fotografiert. Das bedeutet aber auch, dass man vor dem Drücken auf den Auslöser wissen muss, was man fotografieren will und warum. Viele Bilder entstehen spontan, weil man irgend etwas hübsch findet. Manchmal ist da auch ein Treffer dabei, aber viel zu oft entstehen so Bilder ohne jede Aussage.

Natürlich wurden alle Bilder im RAW-Format fotografiert. Gerade weil dieses Mal wirklich viel nachgearbeitet werden musste, vor allem beim Bildrauschen, war dieses Format unverzichtbar.

Bei der Nachbearbeitung wurde den Bildern dann ein etwas kühleren Look gegeben, der für meinen Geschmack gut zum Ambiente in der U-Bahn passt. Dazu habe ich die Fartemperatur individuell etwas abgesenkt.

Hundewelpen

Am Wochenende war mal wieder Präsenzphase für mein Fotostudium. Der Fotograf und Dozent Stefan Wernz ist ein Hundeliebhaber und kennt einen Züchter. Vor wenigen Wochen kamen Welpen zur Welt und die haben wir fotografiert. Dies nehme ich heute zum Anlass, um über meine Erfahrungen beim Welpen-Shooting zu schreiben.

Der Start war holprig. Die Hundemutter empfing uns mit einem entschiedenen Knurren. Das war auch nicht verwunderlich, wenn man seine ersten Jungen bekommen hat und fünf völlig unbekannte Menschen mit dicken Kameras in die Wohnung eindringen.

Also galt es erst einmal für gute Stimmung zu sorgen. Wir hatten ein paar Leckerlis mit und haben uns ausgiebig beschnuppern lassen. So war schon einmal das erste Eis gebrochen.

Die Location war ausgesprochen schwierig zum fotografieren. Es war dunkel und es gab wenig Platz. Um die Hündin und ihre Welpen nicht allzu sehr zu stressen, habe ich es zuerst mit einem 70-200 mm Teleobjektiv versucht. Dieses Bild entstand bei einer Blende von 3,5, mit 1/160 s Belichtungszeit und ISO 3200:

Aber das war nicht völlig zufriedenstellend. Die Naheinstellgrenze war zu groß für den kleinen Raum. Außerdem hat sich schnell gezeigt, dass die kleinen Fellknäule zwar total süß aussehen, aber ganz schwer in Szene zu setzen sind. Also habe ich dann auf ein 100 mm Makroobjektiv gewechselt. Weil die Hündin jetzt auch Vertrauen zu uns gefasst hatte, konnte ich ganz nah ran gehen und ihr beim Säugen zusehen.

Hier habe ich mit F 3,5, 1/200 s und ISO 8000 gearbeitet.

Jetzt, wo das Vertrauen hergestellt war, konnten wir die Welpen auch mal in die Hand nehmen.

Die Frau des Hundezüchters hatte auch einen Platz für das Welpenshooting zurecht gemacht, den wir dann mit Freude genutzt haben, weil hier das Licht viel besser war und so sind richtig schöne Fotos entstanden:

Aber wie bekommt man solche Bilder hin? Mit ein paar kleinen Tricks gelingt das relativ leicht.

Zuerst muss natürlich das Vertrauen zur Hundemutter hergestellt werden. Da die kleinen Hunde zwar noch nicht schnell, aber trotzdem immer in Bewegung sind, habe ich einen dynamischen Autofokus und die Serienbildfunktion meiner Kamera eingestellt. Fokussiert habe ich immer auf die Augen. Mit der Serienbildfunktion sollte man aber behutsam umgehen, um die Welpen und die Hundemutter nicht zu sehr zu verängstigen. Eine Kamera mit einem guten Rauschverhalten, hier war eine Canon EOS 5D Mark IV im Einsatz, ist sehr von Vorteil. So kann man auch bei kritischen Lichtverhältnissen noch akzeptable Bilder hinbekommen.

Die meiste Arbeit hat in der Nachbearbeitung der Weißabgleich gemacht. Wir hatten Mischlicht aus vielen Quellen und dass schneeweiße Fell der Welpen sah auf den Ursprungsfotos noch schmutzig gelb aus.

Ich hoffe, Euch ein paar Anregungen für schöne Welpenfotos gegeben zu haben. Bis bald.

Ballonfahrt

Zu unserer Hochzeit hatten wir von Elkes Freundinnen eine Ballonfahrt geschenkt bekommen. Davon möchte ich heute berichten und einige Tipps für Landschafts- und Luftbilder geben.

Treffpunkt zur Ballonfahrt war eine Wiese in der Wetterau. Aber der Wind blies von Süden. Also mussten wir noch ein ganzes Stück südwärts fahren und einen anderen Startplatz suchen. Bis kurz vor dem Start war es nicht sicher, ob ein Start möglich ist, weil das Wetter und vor allen Dingen der Wind nicht wirklich berechenbar waren. Trotzdem wurde erst einmal aufgebaut, wobei (fast) alle mitgeholfen haben.

Ein großes Gebläse und Hitze aus dem Brenner ließen den Heißluftballon innerhalb von 15 Minuten zu voller Größe wachsen.

Nachdem Ballon und Korb aufgerichtet waren, stand der Einstieg an. Bald waren alle Passagiere im Korb versammelt. Fast unmerklich stieg der Ballon in die Höhe und bald war unser Verfolgerfahrzeug nur noch als kleiner Punkt auf der Wiese unter uns zu sehen.

Weiter ging es über die Wiesen der Wetterau. Kleine Dörfer zogen im aufkommenden Abendrot unter uns vorbei.

Die Wälder unter uns sahen aus, wie Broccoli-Felder.

Ab und zu gab der Ballonführer einen Stoß aus dem Gasbrenner ab, damit wir die Höhe halten konnten.

Besonders beeindruckend war die Fahrt über ein Feuchtgebiet, Schwäne waren als kleine weiße Punkte auf dem Wasser zu sehen.

Felder und Wege bildeten reizvolle geometrische Figuren.

Nach der Landung mussten die Männer noch einmal aussteigen, weil wir auf einer Wiese mit viel zu hohem Gras geladen waren und Ärger mit dem Bauern vermeiden wollten. Also sind die Frauen noch einmal bis zur nächsten Wiese gefahren.

Im Abendrot wurde der Ballon dann wieder gemeinsam zusammengefaltet.

Mit der Ballontaufe wurden wir dann noch zu „Graf Gerd, tollkühner Entdecker des Ballonhimmels von Münster und über Äcker und Wiesen zu Echzell“ und zu „Gräfin Elke, furchtloser Ballonedelfrau vom Hessenbrückenkammer und über Baumwipfel zum Horlofftal“ geadelt. Das Ballonunternehmen war übrigens Ballonfahrten Frankfurt Carmen & Udo Mettendorf, die uns ein unvergessliches Erlebnis geschenkt haben.

Nun etwas zur Bearbeitung der Bilder. Das Wetter bei unserer Ballonfahrt war zwar schön, aber recht diesig. Außerdem wurde die Landschaft zum Horizont hin immer heller, was dazu führte, dass der Vordergrund immer etwas zu dunkel und der Hintergrund zu hell und die Farben dort zu schwach waren. Ein Absenken der Highlights und ein Anheben der Schatten hätte das zwar ausgeglichen, aber das Bild wäre dann sehr flau geworden. Also habe ich mich entschieden, die Bilder zweigeteilt über zwei Verlaufsmasken zu bearbeiten. Hier seht Ihr schon mal den vorher-nachher Vergleich.

Das Ursprungsbild ist auf Grund der tief stehenden Sonne viel zu flau und zu rot. Der Himmel hat kaum Zeichnung. Zuerst habe ich deshalb mit dem Weißabgleich die Farbtemperatur etwas herunter gesetzt. Auch den Horizont habe ich etwas begradigt. Dazu wird in Capture One die Taste R genutzt und bei gedrückter Maustaste eine Line am umbegradigten Horizont entlang gezogen. Jetzt habe ich zwei Ebenen für die zwei Verlaufsmasken angelegt:

Die Ebenen habe ich mit Himmel und Landschaft benannt und jeweils vom oberen Bildrand (Himmel) und unteren Bildrand (Landschaft) bis zur Horizontlinie gezogen.

In der Ebene Landschaft habe ich etwas die Klarheit erhöht und die Tiefen angehoben. Außerdem habe ich etwas die Sättigung verstärkt.

In der Ebene Himmel habe ich die Helligkeit und die Lichter reduziert, die Sättigung erhöht und sehr stark die Klarheit verstärkt. So ist Zeichnung in die Wolken gekommen und der Himmel hat eine schöne blaue Farbe erhalten.

Man kann also mit ganz wenigen Schritten aus einem durchschnittlichen Landschaftsbild einen Hingucker gestalten.

%d Bloggern gefällt das: