Monat: Februar 2018

Varanasi im Morgengrauen

Das Internet hier in Varanasi ist eine Katastrophe. Im Grunde kann ich es nur nutzen, wenn alle anderen schlafen. Meinen Blog online in WordPress zu schreiben ist hier eine Angelegenheit von Stunden. Also musste ein Tool her, mit dem ich auch offline meine Texte schreiben kann. Ich habe es in Ulysses gefunden. Das ist ein super Tool zum Schreiben. Leider muss man auch für dieses Programm ein Abo abschließen. Dafür kann man es auf dem Mac und allen anderen IOS-Geräten nutzen, was schon mal eine echt feine Sache ist.

Diese Nacht habe ich mal „Schlaflos in Varanasi“ gespielt. Unzählige Bilder strömten durch meinen Kopf. Das ist sicher das Übermaß an Eindrücken, das ich kaum noch verarbeiten kann. Nach eineinhalb Sunden Schlaf klingelte um 05:30 der Wecker. Der Plan war eine Bootsfahrt auf dem Ganges zum Sonnenaufgang. Die Rikschafahrt zu unserem Startpunkt an der Dhobi Ghat war um diese Uhrzeit schon nicht gerade billig. Die Luft blieb uns dann aber weg, als an der Ghat das Ruderboot pro Stunde und Person für 1000 Rupien angeboten wurde. Wir konnten den Preis auf 800 Rupien drücken, weil wir nur den Hinweg zur Trilochan-Ghat fahren wollten.

Bald bot sich uns ein atemberaubender Anblick von Varanasi in der blauen Stunde vor Sonnenaufgang, der uns für alles entschädigt hat. Auf dem Fluss herrschte eine himmlische Stille und die kühle Morgenluft bildete einen herrlichen Kontrast zur heißen und staubigen Innenstadt.

Der Fluss wimmelte nur so von Booten. Das Lieblingshobby der chinesischen Touristen schien das Füttern der Möwen zu sein.

Varanasi ist ja tagsüber in eine Wolke aus Staub und Smog eingehüllt. So hatte ich wenig Hoffnung auf ein wirklich schönes Foto vom Sonnenaufgang auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses. Die Realität hat mich dann eines Besseren belehrt. Die Farbe des Lichts zum Sonnenaufgang ist hier völlig anders als in Deutschland.

Kurz nach Sonnenaufgang passierten wir die Manikarnika-Ghat, eine der größten hinduistischen Verbrennungsstätten hier.

Der Tempel des Maharadscha von Mumbai bot einen beeindruckenden Anblick. Leider verfallen hier, wie auch dieser Palast, unzählige historische Gebäude, weil das Geld für die Unterhaltung fehlt. Dieser Palast soll in Kürze zu einem Hotel umgebaut werden.

Während wir weiter fuhren, begrüßten einige Hindus die aufgehende Sonne mit einer eigens dafür vorgesehenen Zeremonie.

Bald waren wir am Trilochan-Ghat angekommen. Der Blick zurück offenbarte noch einmal die beeindruckende Schönheit Varanasis im Morgengrauen.

Jetzt wollten wir die Altstadt von Varanasi erkunden. Nach einigen steilen Treppen die Ghat hinauf fanden wir uns plötzlich mitten in einer Horde Affen wieder, die aber zu unserem Glück wenig Notiz von uns nahmen. Man hört ja die wildesten Geschichten über diebische und aggressive Affen in Indien.

Teils gingen wir oben durch die engen Gassen der Altstadt, teils unten an den Ghats entlang. Am Hindutempel Varanasi Shri Ksabi Math Samasthara bot sich noch einmal ein toller Ausblick.

Der Aufstieg war schweißtreibend, brachte uns aber nach einem Zwischenstopp in einem sehr gepflegten Restaurant zum Palast des Maharadschas von Mumbai.

Im Tempel der neun Schwesterngab es dann noch mal eine schöne heilige Kuh zu besichtigen.

Damit neigt sich unser Besuch in Varanasi dem Ende zu. Morgen Nachmittag starten wir nach Jaipur, wo wir das Ende des Holi-Festes und das dortige Elefantenfest anschauen und fotografieren werden. In zwei Tagen sollte dann der nächste Blogbeitrag online sein.

Totenfeiern

Nach zwei Tagen krankheitsbedingter Pause melde ich mich wieder zurück.

Gestern habe ich bis auf einen Gang zur Apotheke keinen Fuß vor die Tür gesetzt. Vorgestern waren wir unvorsichtig und aßen rohen Salat. Das war ein großer Fehler. Ich kann mich echt nicht erinnern, dass es mir schon mal so schlecht ging.

Jetzt ist es hier 07:00 Uhr und die Antibiotika zeigen Wirkung. Nun habe ich wieder genug Energie, meinen Blog zu schreiben.

Vorgestern war ein ganz besonderer Tag. Unser Ziel war die Kedara-Ghat. Unser Rikschafahrer hatte uns dann aber an der Harishchandra-Ghat abgesetzt. Sicher auch deswegen, weil man durch die engen Gassen an der Kedara-Ghat nicht mit der Rikscha durch kommt.

Eigentlich wollten wir einen Besuch der Harishchandra-Ghat vermeiden, weil hier eine der Verbrenungsstätten für die Toten ist und wir nicht sicher waren, ob wir so etwas mental verkraften würden. Aber es sollte wohl so sein.

Gleich zu Beginn wurden wir von einem Affen begrüßt.

Ein paar Schritte weiter bot sich dann ein weiterer vielversprechender Anblick.

Bald schon wurden wir angesprochen, um einen kleinen Tempel mit dem heiligen Feuer, mit dem das Totenbett zur Verbrennung angezündet wird, zu besichtigen.

Unsere Spende von 50 Rupien hatte dann auch gleich zur Folge, dass wir eine Segnung in Form eines dicken roten Strichs auf der Stirn hatten. Das zugehörige Pulver ist rechts unten zu sehen.

In einem Hinterhof lagerten Berge von Holz, die für die Verbrennung der Toten genutzt werden. Für jedes Totenbett werden zirka 300 kg Holz benötigt. Pro Monat werden an dieser Verbrennungsstätte vierzig bis fünfzig Verbrennungen vorgenommen.

Arbeiter schleppen das Holz die vielen Treppen das Ghat hinunter bis an den Ganges.

Es dauerte nicht lange, bis uns der Inhaber der Verbrennungsstätte entdeckte und uns einlud, einer Verbrennung beizuwohnen. Ganz wohl war uns dabei nicht. Zum Einen hatten wir das Gefühl, dass wir als Europäer hier nicht hingehörten und zum Anderen war es ein sehr merkwürdiges Gefühl, so direkt mit dem Tod konfrontiert zu werden. Außerdem wussten wir nicht, welche Anblicke uns erwarten würden. Wir brachten unsere Bedenken zum Ausdruck, aber der Inhaber der Verbrennungsstätte ließ sich nicht von seinem Vorhaben abbringen. Schon gar nicht, als er erfuhr, dass ich als Fotograf tätig bin. Mehrfach sagte er, dass es ihm ein Anliegen wäre, diesen Teil der hinduistischen Kultur öffentlich zu machen. Normalerweise sind Fotos bei einer hinduistischen Totenfeier streng verboten. Umso mehr an einem so heiligen Ort wie in Varanasi am Ganges.

Wie läuft nun eine hinduistische Totenfeier in Varanasi ab? Es beginnt damit, dass der Tote in bunte Tücher gehüllt auf einer Bambus-Bahre die Ghat hinunter an den Fluss getragen wird. Es sind nur Männer aus der Familie anwesend. Es gibt hier auch keine Priester. Frauen trauern separat.

Der Tote wird im heiligen Wasser des Ganges gewaschen und in ein weißes Leinentuch gewickelt. Dann wird er auf das Totenbett aus Holz gelegt und weiteres Holz wird über dem Toten aufgeschichtet.

Ein Familienmitglied holt aus dem Tempel mit dem heiligen Feuer ein Bündel brennendes Stroh und geht damit fünf mal um das Totenbett herum und zündet es dabei an. Die Zahl fünf steht dabei symbolisch für die fünf Elemente: Feuer, Wasser, Erde, Luft und Äther.

Wenn der Tote fast verbrannt ist, werden seine letzten Überreste in den Ganges geworfen, damit der auch körperlich mit dem Göttlichen verbunden wird. Die Bilder davon will ich lieber nicht veröffentlichen, weil das für europäische Gemüter, dann doch etwas zu hart wäre.

Das Feuer wird dann mit dem Wasser des Ganges gelöscht.

Zum Abschluss der Totenfeier wird der Krug mit dem Wasser des Ganges nach hinten über die Schulter geworfen.

Während der Trauerzeremonie erfuhren wir dann noch einige sehr interessante Dinge. So werden Frauen an anderen Plätzen als Männer verbrannt. Menschen, die in ihrem Leben viel Böses getan haben, sind nur ganz schwer zu verbrennen. Manche Menschen werden auch nicht verbrannt, sondern im Ganges versenkt: Kinder unter 10 Jahren, Heilige, Menschen,  Leprakranke und Tiere. Menschen, die von einer Schlange gebissen wurden, werden auf einen halbierten Bananenstamm gebunden und den Ganges hinabgeschickt.

Den Toten wird auch ihr Schmuck bei der Verbrennung nicht abgenommen. Dieser geht automatisch in das Eigentum des Inhabers der Verbrennungsstätte über. Eine Verbrennung in Varanasi kostet 10.000 Rupien.

Irgendwie war ich dann doch ganz erleichtert, als wir diesen Platz verlassen haben, um in die Seidenwebereien gleich nebenan geführt zu werden. Es ging durch dunkle Gassen. Überall war das Klappern der Webstühle zu hören.

Natürlich ging es bei der ganzen Führung wieder ums Geld. Umgehend wurden wir in einen Verkaufsraum geführt, um Unmengen von Tüchern aus Seide, Paschmina und Wolle vorgeführt zu bekommen. Der Verkäufer konnte sogar etwas Deutsch und war der geborene Salesman.

Das hatte natürlich zur Folge, dass wir nach einigen harten Verhandlungen doch etwas gekauft haben. Aber nicht ohne vorher zu fragen, ob da Kinderarbeit drin steckt. Natürlich ist das verneint worden. Kontrollieren konnten wir das nicht.

Am Abend gab es dann noch mal eine Feuer-Puja am Dashashwamed-Ghat. Massen von Menschen drängten sich schon zusammen, um die Zeremonie zu erleben.

Dieses Mal hatte ich auch mein Tele dabei und so gelangen noch einmal ein paar sehr schöne Aufnahmen.

Der Rückweg in unsere Unterkunft war dann der blanke Horror. Beide spürten wir deutlich, dass bei uns gesundheitlich etwas nicht stimmte. Durch enge Gassen, die auch noch von Motorrädern bevölkert waren, suchten wir einen Weg ins Freie. Als wir es endlich geschafft hatten, standen wir vor einer riesigen Menschenmenge die einen unsäglichen Lärm verursachte. Irgendwie haben wir dann eine Rikscha gefunden, die uns in unsere Unterkunft gebracht hat. Später erfuhren wir, dass an diesem Abend die Holi-Woche eingeläutet wurde und ganz Varanasi auf den Beinen war.

 
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Der erste Tag in Varanasi

Vor zwei Tagen haben wir Bodhgaya verlassen und uns auf den Weg nach Varanasi gemacht. Bis zur Ankunft in Varanasi lief eigentlich alles ganz gut. Den Flughafen in Gaya konnten wir trotz eines Generalstreiks in Bodhgaya pünktlich erreichen. Hambuddha, einer unserer besten Rikaschafahrer hat es möglich gemacht.

In Varanasi ging es dann los. Ewige Verhandlungen mit Taxifahren, die in der Regel von Touristen mindestens den doppelten Pries verlangen, dann ein Taxifahrer, der sich in der Stadt nicht auskannte. Ich habe ihn dann per Navi in die Nähe unserer AirBnB-Unterkunft gelotst. Eine genaue Adresse hatten wir nicht, denn es gibt hier keine Hausnummern. Den Rest hat dann eine Rikscha übernommen, die von unserer Vermieterin telefonisch an den richtigen Ort gelotst wurde.

Als wir ankamen, waren wir sehr überrascht über die weitläufige Wohnung, die wir ganz allein zur Verfügung haben. Das war schon mal ein Glücksgriff.

Am Abend fanden wir noch ein wirklich gutes vegetarisches Restaurant, in dem wir jetzt schon das vierte Mal gegessen haben.

Der Stress ging in der Nacht los. Müde, wie wir waren, hatten wir vergessen, Maßnahmen gegen die Moskitos zu ergreifen. Morgens gegen drei Uhr wachten wir beide auf, weil alles juckte. Die Moskitos hatten uns den ganzen Rücken zerstochen! Nach dem Aufwachen stellten wir dann noch fest, dass das Internet ausgefallen war, und mein Handy baute keine Verbindung ins Mobilfunknetz mehr auf. Kein guter Start.

Trotz mieser Stimmung ging es dann raus auf die Straße. Wir wollten etwas frühstücken und die Umgebung unserer Unterkunft erkunden. Das Frühstück hatten wir schnell gefunden. Auch eine Menge toller Hindu-Tempel. Der Lärm aber hat uns fertig gemacht. Nach zwei Stunden gaben wir auf und nahmen uns eine Rikscha zu unserer Unterkunft. Als wir ankamen, waren unsere Ohren taub. Es ist echt der Wahnsinn, was hier auf den Straßen abgeht. Wer am lautesten hupt, gewinnt.

Nach zwei Stunden chillen fühlten wir uns wieder stark genug, um uns ins Getümmel zu werfen. Ziel war der Assi-Ghat, der erste Ghat flussaufwärts am Ganges. Zu unserer Erleichterung wurde es zunehmend ruhiger, je näher wir an den Ganges kamen. Das erste Highlight war ein Schlangenbeschwörer.

Dass ich so etwas in meinem Leben noch einmal zu sehen bekomme, habe ich nicht zu hoffen gewagt. Der Anblick der Schlangen (im zweiten Korb war noch eine), war dann auch etwas furchterregend. Für die Vorführung waren natürlich ein paar Rupien zu berappen.

Weiter ging es in Richtung Ganges, wo sich ein wundervoller Ausblick auf den Fluss bot. Die Schirme und Liegen dienten jedoch nicht zum Sonnen, sondern für eine hohe hinduistische Feier, die am Abend stattfinden sollte.

Der Blick hinauf zum Ghat und dem darüber stehenden Tempel war nicht weniger beeindruckend.

Alle zehn Meter wurden wir angesprochen, ob wir nicht eine Bootsfahrt auf dem Ganges machen wollten. Da wir das eh geplant hatten, kam uns das sehr entgegen. Je näher wir dem Ganges kamen, desto besser wurden die Angebote. Oben auf der Treppe waren es noch 700 Rupien für zwei Personen und eine Stunde. Unten am Fluss konnten wir dann 280 Rupien aushandeln.

Die Fahrt war beeindruckend. Varanasi mit seinen unzähligen Tempeln und den vielen Ghats zog langsam an uns vorbei.

An einem Ghat wurde Tote gewaschen und verbrannt, die noch zu Lebzeiten nach Varanasi gekommen waren, um hier aus dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburt erlöst zu werden.

Überall fuhren kleine Fischerboote und einige Jugendliche fingen mit primitiven Angeln Fische. Die Fische würde ich aber nicht essen, weil das Wasser des Ganges wirklich extrem dreckig ist.

Mittlerweile liefen die Vorbereitung für die hinduistische Zeremonie auf Hochtouren. Wir blieben sitzen und warteten ab. Es dauerte nicht lange, bis einige kleine Mädchen bei uns bettelten. Wir gaben ihnen etwas von unserem Chai. Aber bald entdeckten sie die Watte, die sich Elke als Lärmschutz gekauft hatte. Die Mädchen fanden es dann total lustig, sich damit die Nase zu putzen und hatten einen riesen Spaß dabei.

Mich hat die ganze Szenerie sehr nachdenklich gestimmt und in mir kam die Frage hoch, wieviel man eigentlich braucht, um glücklich zu sein. Diese Mädchen hatten wirklich nichts. Nicht einmal genug zu essen. Trotzdem waren sie total fröhlich und ausgelassen.

Fast pünktlich begann die Feier, eine Feuer-Puja, die uns einfach nur staunen ließ. 

Zuerst wurden die Protagonisten der Zeremonie gesegnet.

Dann begann die Feuer-Puja. Das Ganze war eine tief beeindruckende Mischung aus Gebeten, Musik, Tanz, Feuer, Rauch und Wasser. Alle Zuschauer beteten und sagen mit. So entstand eine unbeschreibliche Atmosphäre.

Gleich nebenan wurde die Bühne für eine Vorführung klassischer indischer Musik vorbereitet. Auch wenn die Moskitos mehr und mehr Blut aus uns heraus saugten, wollten wir bleiben.

Für unsere Ohren völlig fremdartige Klänge lagen in der Luft. Die ganze Stimmung war eine Mischung aus Meditation und Ekstase. Völlig gebannt hörten wir zu und schauten auf die Bühne. Es war einfach unbeschreiblich.

An dem Tag gestern haben wir Indien wieder von allen seinen Seiten kennengelernt: unerträglicher Lärm, bittere Armut, gelebte Religion und höchste Kultur. Die Gegensätze sind hier so riesengroß, dass es manchmal mental nur schwer zu bewältigen ist.

Tempeltour

Der Tag gestern stand ganz im Zeichen meiner Abschlussarbeit zum Medienfotografen an der S.E.T.. Meine Fotos habe ich schon fast zusammen. Jetzt geht es an die Erstellung der Abschlusspräsentation. Das wird ein Video werden, welches natürlich ganz stark von meiner jetzigen Reise geprägt sein wird. Dafür habe ich noch eine ganze Menge Material gebraucht, was ich gestern fotografiert und gefilmt habe. Im Vorfeld hatte ich ja schon etwas Herzklopfen, ob ich überhaupt mit meiner ganzen Ausrüstung, inklusive Stativ, in den Mahabodhi-Tempel komme. Sicherheitshalber hatte ich meinen Presseausweis mit dabei. Dann war aber alles ganz einfach.

Ein erhebender Anblick bietet sich jedes Mal, wenn man an der Treppe zum Mahabodhi-Tempel steht.

Trotzdem wollte ich erst einmal außen herum gehen, um einen schönen Platz für einen Videoschwenk zu finden, um etwas Füllmaterial für mein Video zu filmen. Auch dabei ergaben sich wunderschöne Einblicke.

Rings um den Tempel herum gibt es viele freie Flächen zum meditieren und für buddhistische Unterweisen. Überall passiert etwas.

Der Fuß des Haupttempels ist über und über mit Blumen und buddhistischen Symbolen geschmückt. Bei der Hitze hier muss das alles jeden Tag erneuert werden. Ständig sind Mönche und bezahlte Helfer damit beschäftigt, verwelkten Blumenschmuck durch frischen auszutauschen. An vielen Stellen sieht man Berge von Blüten, die dafür verwendet werden. Aber auch vor dem Tempel werden Blumen angeboten, die man dann auch selbst in den Tempel mitbringen kann.

Im Innenraum des Haupttempels gibt es eine große Buddha-Statue. Hier hineinzugehen ist für viele Pilger der Höhepunkt einer Reise nach Bodhgaya. Vor dem Buddha werden Opfergaben dargebracht, of Essen oder Geld, was dann dem Tempel oder auch den Mönchen zugute kommt. 

Jetzt war die Erstellung eines Zeitraffer-Videos von der belebtesten Kreuzung Bodhgayas an der Reihe. An dieser Stelle der Stadt gelten praktisch keine Verkehrsregeln mehr. Alles fährt und läuft durcheinander. Das Hupkonzert bringt die Trommelfelle an die Scherzgrenze. Als ich dort ankam, war es jedoch totenstill. Alle Straßen ringsum ware gesperrt, weil irgend eine wichtige Person unterwegs war. Also musste ich umplanen und bin über den Markt zur Einkaufsstraße gegangen, um dort mitten zwischen allen möglichen Straßenküche mein Zeitraffer-Video zu drehen. Das hat einige Anläufe gebraucht. Rikschas stoppten direkt vor meiner Kamera, neugierige Kinder blockierten das Sichtfeld und eine Bettlerin wollte wohl ebenfalls direkt abgelichtet werden. Irgendwann hatte ich es dann doch geschafft. Durstig und schwitzend ging es dann mit einem Zwischenstopp an einem Samosa-Stand zurück ins Hotel.

Zum Sonnenuntergang sollte noch der Big Buddha fotografiert und gefilmt werden. Pünktlich vor Sonnenuntergang war ich dort. Jedoch war der Smog so stark, dass die Sonne nicht zu sehen war. Trotzdem sind mir einige Bilder und ein Video vom Big Buddha gelungen.

Bald schon schloss dieser Tempel und es war Zeit zurück ins Hotel zu fahren und das gesammelte Material zu sichten. Jetzt fehlen nur noch zwei Bilder für meine Abschlussarbeit und ich kann mich endlich auf die Erstellung meiner Präsentation konzentrieren.

Mein Geburtstag in Indien

Gestern war mein Geburtstag und das erste Mal habe ich ihn in Indien gefeiert. Davon möchte ich heute berichten.

Die ersten Glückwünsche hatte ich ja schon um Mitternacht entgegengenommen. Also startete der Tag erst einmal mit Arbeit. Das „Why?“, der Titel der neuen Show, musste fertig gestellt werden. Ich saß ja schon einen Tag an diesem Projekt. Jetzt stieg der Zeitdruck, weil die Plakate und die Flyer für die Schulen in den Druck mussten. Also war von Morgens bis zum späten Nachmittag Freistellen angesagt. Zwischendrin habe ich mich schon selbst verflucht, weil ich diesen Auftrag angenommen hatte. Doch als alle Einzelbilder freigestellt und in Photoshop montiert waren, war die Welt für mich wieder in Ordnung.

Jetzt hat Creacting India ein Motiv für Plakate in jeder erdenklichen Größe.

Gegen fünf Uhr nachmittags war dann auch der erste Entwurf für den Flyer fertig. Jetzt sollte eigentlich meine Torte angeliefert werden. Aber nichts passierte. Einen Anruf und eine habe Stunde später wurde dann doch noch meine Geburtstagstorte angeliefert. Großen Dank an Elke, meine Frau, die dieses Prachtstück organisiert hat.

Vor dem Anschnitt der Torte mussten natürlich jede Menge Fotos mit mir und der Torte gemacht werden. Hier bin ich mit Vikram, den Sohn unseres Hotelbesitzers zu sehen.

In Indien ist es Tradition, dass das Geburtstagskind und später auch die Gäste mit Tortencreme „dekoriert“ werden. Meine erste Ladung hatte ich da schon abbekommen.

Nach dem Anschnitt wurde ich dann von Subudh gefüttert, bevor alle anderen Gäste ihren Teil von der Torte bekamen. Übrigens ist es hier völlig normal, Torten und auch andere Nahrung mit den Fingern zu essen. Allerdings nur mit der rechten Hand. Die linke Hand ist für die unreinen Arbeiten reserviert.

Indische Torten sind unheimlich gehaltvoll. Wenn man zwei Stück davon gegessen hat, ist man eigentlich schon für den Rest des Tages satt. Die vielen Kalorien mussten dann auch abgetanzt werden. Abhi, unser Tanzlehrer, legte indische und europäische Musik auf und gab uns einen Tanz-Crashkurs im Bollywood-Stil. Zum Glück konnte ich mich nicht selbst dabei sehen. Neben den indischen Jugendlichen sieht unsere Art zu tanzen echt ungelenk aus. Immer wieder bewundere ich deren Bewegungstalent.

Creacting wäre nicht Creacting, wenn sie sich nicht noch eine tolle Überraschung ausgedacht hätten. Wir (Elke und ich) sollten uns auf zwei Sessel am Lagerfeuer setzen. Mit Feuerwerksraketen und viel Getöse wurden dann gute Wünsche für uns in den Himmel geschossen.

Ein Gruppenfoto mit dem Kernteam von Creacting war natürlich Pflicht. Leider fehlt hier Frieder, der das Foto gemacht hat.

Am Ende der Party war ich total glücklich und über und über mit Torte verziert.

Danke an alle, die diesen unvergesslichen Abend für mich organisiert haben.

noch ein Workshop

Langsam wird es stressig. Die letzten zwei Tage war ich nicht fit. Straßenküchen sind halt immer ein Risiko… Vielleicht war war es auch der Sky Drink, den ich vor zwei Tagen in einem gruseligen Hinterhof getrunken habe. Die Show von Creacting rückt immer näher und im Vorfeld sind viele Dinge zu tun. Der Name der Show steht jetzt auch fest: Why? 

Dieses Wort haben wir dann aus Spielern gelegt und vom Dach unseres Hotels fotografiert. Jetzt muss es „nur noch“ freigestellt und mit einem ordentlichen Hintergrund versehen werden. Am Ende entsteht daraus das Plakat für die Show.

Nebenbei bin ich noch mit der Erstellung der Website von Creacting India beschäftigt (inklusive WordPress Crashkurs) und natürlich müssen die Workshops auch noch fotografiert werden. Dann brauchten wir noch Portraits aller Mitglieder vom Trust… Im Augenblick habe ich noch nicht wirklich eine Idee, wie ich das Material für meine Abschlusspräsentation zusammen bekommen soll. Ganz abgesehen von der Erstellung des Videos dafür. Aber ich habe ja noch knapp eine Woche Zeit, bis wir aus Bodhgaya abreisen.

Der Workshop gestern war ein voller Erfolg. Die Spieler steigern sich von Act zu Act. In der Bildergalerie gibt es einige Kostproben davon.

Das soll’s dann auch für heute gewesen sein. Die Arbeit ruft…

 

Mahabodhi-Tempel und Fotosession

Die Spannung steigt. Heute steht dass Shooting für eine meiner Abschlussarbeiten meines Fotostudiums an der S.E.T. an. In den vergangenen Tagen habe ich mit wildfremden Menschen in Bodhgaya Kontakt aufgenommen, um sie für mein Shooting zu gewinnen. Aber erstens einmal geht es in den Mahabodhi-Tempel, um etwas zu meditieren. Auf dem Weg dorthin begegnete uns noch dieser Baba. Er bekam eine Spende und ich ein Bild.

Eigentlich wollten wir ja meditieren. Aber der Tempel hat mich dann dolch so sehr fasziniert, dass ich noch einige Fotos machen musste.

Auf dem Weg zum Bodhi-Tree kamen wir am Butterlamp-House vorbei. Hunderte, wenn nicht sogar tausende Öllampen brannten dort.

Die Luft war heiß und roch nach Fett. Da wir barfuß den Raum betreten mussten, war das viele Fett auch schnell an den Füßen zu spüren. Aber der Anblick war überwältigend.

Auch auf dem Weg zurück kam ich nicht umhin, noch ein paar Fotos zu schießen.

Jetzt war es Mittag und höchste Zeit, das Shooting vorzubereiten. Inständig hoffte ich, dass alle drei Teilnehmer da sein würden. Den Treffpunkt habe ich extra eine halbe Stunde vorverlegt, weil Pünktlichkeit in Indien nicht gerade zu den großen Tugenden gehört. Umso erstaunter war ich, als der erste Teilnehmer schon eine halbe Stunde vor der vereinbarten Zeit da war. Der letzte kam 20 Minuten zu früh. Ich war erleichtert und glücklich, dass alle da waren und es ging zu Fuß zum alten Hindutempel.

Da es früher war, als geplant, war das Licht zum Fotografieren unheimlich schwer zu beherrschen. Es war gleißend hell und der Sand im naheliegenden Flussbett reflektierte das Licht noch einmal mehr. Es brauchte viele Versuche, um endlich die richtigen Plätze und Einstellungen zu finden.

Aber dann entwickelte sich das Shooting zu einem echten Happening. Einer der Teilnehmer war ein buddhistischer Mönch, der andere ein Verehrer des indischen Philosophen Osho (Begründer der Bhagwan-Bewegung). Daraus entwickelten sich ganz schnell viele Gespräche über Gott und die Welt. Ein paar indische Sweets hellten die Stimmung noch mehr auf. Am Ende hatten alle Beteiligten einen riesen Spaß, was man hoffentlich an den ersten vier Bildern meiner Serien sehen kann.

Zum Schluss sind wir dann noch alle auf einen Chai zum Hari Om gefahren und haben den Tag mit vielen spannenden Gesprächen beendet.

Shivaratri

Gestern hatte ich mir vorgenommen, meine Abschlussarbeit für mein Fotografiestudium an der S.E.T. weiter vorzubereiten. Utensilien waren einzukaufen, die Location für das Shooting auszuwählen und ich brauchte noch zwei Modelle. Aber wie das in Indien so ist, kommt alles anders, als man denkt.

Der Weg in die Stadt über das ausgetrocknete Flussbett des Falgo River begann ganz unspektakulär. Wie immer war das hektische Leben hier wieder voll im Gange. Dinge wurden aus der Stadt in das Dorf transportiert,

im Fluss wurde die Wäsche getrocknet…

…und an den Marktständen gab es schon lebende Hühner für das kommende Holi-Fest zu kaufen.

Gleich nebenan durchwühlte eine junge Kuh den Müll nach etwas Fressbarem.

Auf dem Weg zum Markt traf ich noch Laxman, einen unserer Schauspieler, der jetzt auch einen kleinen Gemüsestand an der Straße hat.

Bis dahin war eigentlich alles ganz entspannt, bis ich das altbekannte „Where you are from?“ hörte, was hier überlicherweise zur Kontaktaufnahme mit wildfremden Menschen genutzt wird. Dieses Mal war es ein indischer buddhistischer Mönch, der mich ansprach.

Ich hatte keinen Zeitdruck und habe mich deswegen gerne auf ein Gespräch mit ihm eingelassen. Daraus wurde eine buddhistische Unterweisung und ein gemeinsames Frühstück. Am Ende konnte ich ihn noch als Model für das Shooting meiner Abschlussarbeit gewinnen.

Auf dem Weg zurück zum Sachi Home, unserem Hotel, wurde ich dann noch einmal von einem Teenager angesprochen. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte mir ganz stolz von seiner Schule in der er seit einem Jahr lebt und lernt. Er wollte mir unbedingt seine Schule zeigen und da ich noch Zeit hatte, stieg ich mit auf sein Motorrad. Natürlich ging es darum, Spenden für diese Schule zu sammeln. Trotzdem war es wieder ein sehr interessanter Einblick in das indische Schulwesen und ich konnte auch etwas fotografieren. Übrigens wird in den indischen Schulen Religion und Schule streng getrennt, was ich für eine sehr gute Idee halte. Hier ist ein Klassenzimmer zu sehen. Während des Unterrichts sitzen die Kinder auf diesen Pritschen und Nachts dienen sie als Bett. Diese Schule lebt nur von Spendengeldern und betreut Kinder, deren Eltern zu arm sind, sich um ihre Kinder zu kümmern.

Nach diesem Abstecher stand endlich die Erkundung der Location für mein Fotoshooting auf dem Programm. Ich stelle mir einen verfallenen Hindutempel dafür vor und wurde auch bald fündig.

Gleich nebenan wurde ein kleiner Shiva-Tempel für das Fest Shivavatri vorbereitet. Dies ist einer der höchsten hinduistischen Feiertage, an dem sich besonders Frauen Segen für ihre Ehemänner erbitten.

Schnell war der Entschluss gefasst, dieses Fest zu fotografieren. Also ging ich am späten Nachmittag wieder zum Tempel, in der Hoffnung, möglichst nah an das Geschehen ran zu kommen, um viele schöne Bilder machen zu können. Die unzähligen Kinder dort entdecken meine große Kamera als erstes und alle wollten sofort fotografiert werden.

Die Frauen zelebrierten vor und um den Tempel herum in ihren schönsten Saris immer wieder andere hinduistische Riten und wurden von der Dorfältesten gesegnet. Der grüne Streifen auf der Stirn ist das Zeichen dafür. Auch ich bekam diesen Segen, was eine große Ehre für mich bedeutete.

Während die Frauen ausgiebig feierten, standen die Männer eher abseits und hatten wenig zu tun. Das war wohl auch der Auslöser dafür, dass mich einer der Männer zu sich nach Hause auf einen“Sky Drink“ einlud. Auch auf mehrmaliges Nachfragen wollte er mir nicht sagen, worum es sich dabei handelt. Nach einer Führung durch sein wirklich armseliges Haus machten wir uns auf den Weg durch das Dorf und ich konnte einige Eindrücke vom Leben der Bauern hier sammeln.

Der Weg zu einer finsteren Hinterhofkneipe führte durch Kuhdung, Gülle und enge Gassen. Einige Männer hockten schweigend auf einer Mauer.

Mein Gastgeber schenkte mir eine wässrig milchige Flüssigkeit in ein provisorisch ausgespültes Glas. Es schmeckte leicht säuerlich, fast wie Molke und hatte eine leicht berauschende Wirkung. Später habe ich dann erfahren, dass es sich dabei um vergorene Blätter einer speziellen Palme gehandelt hat.

Bald musste ich gehen, weil wir noch bei einem zweiten Shivavatri-Fest bei Om Baba, einem Baba in einem Nachbardorf eingeladen waren.

Auch hier feierten die Frauen des Dorfes ausgiebig. Immer wieder wurden hinduistische Gesänge angestimmt.

Während dessen saßen wir mit Om Baba am Feuer, eine „heilige Pfeife“ machte die Runde und Bang Lassi, ein leicht berauschendes Getränk, wurde ausgeschenkt.

Om Baba hat uns dann noch einiges über Shivavatri aus seiner Sicht erzählt. Demnach wird die Vereinigung von Shiva mit seiner weiblichen Seite, Kali, gefeiert. Auf die hiesige Welt übertragen bedeutet dies für die Hindus, dass bei der Vereinigung von Mann und Frau jeder im Anderen das Göttliche sieht und die Vereinigung von Mann und Frau in der höchsten Göttlichkeit mündet.

Ich werde wohl noch einige Tage brauchen, um alles zu verarbeiten, was ich gestern gesehen und erlebt habe. Indien ist immer für Überraschungen gut und an jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken, wenn man sich auf das Leben und die Menschen hier einlässt.


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Der erste Workshop

Gerade sitze ich in unserer Bambushütte. Es regnet und aus der Nachbarschaft klingen die Musik und die Gebete aus einem Hindu-Tempel herüber. Eine gute Gelegenheit, vom gestrigen Tag zu berichten.

Unser erster Tag in Bodhgaya hat uns gleich alles abverlangt. Zirka zwanzig Kinder aus verschiedenen Schulen aus Bodhgaya und Umgebung waren da, um das Stück für die neue Show zu entwickeln und schon einzelne Szenen zu proben.

Vor dem Frühstück wurde sich erst einmal mit viel Bewegung und Yoga aufgewärmt.

Das dauerte fast zwei Stunden. Währenddessen sorgten die Kühe im Sachi Home für frische Milch, die wir für unseren Chai brauchen.

Nach dem morgendlichen Warm-up war der Hunger natürlich groß. Eine Straßenküche brachte uns das Frühstück vorbei: Litti und Chokha. Litti sind kleine leckere Teigbällchen mit einer Kichererbsenfüllung. Chokha ist gekochtes Gemüse mit Kartoffeln und einem hohen Anteil an Kichererbsen. Dazu gibt es etwas Rettich und Chilis. Alles wurde auf Tellern aus getrockneten Bananenblättern serviert und mit den Fingern gegessen. Natürlich war das Essen ordentlich scharf. So scharf, dass mir die Tränen in die Augen stiegen. Aber die Kinder haben das ohne mit der Wimper zu zucken gegessen.

Nach dem Frühstück standen die ersten Spielübungen auf dem Programm. Dabei ging es vor allem darum, verschiedene Emotionen mit einem Partner zu spielen. Dabei bekommt man eine Emotion vorgegeben und geht bei passender Musik aufeinander zu. Der Partner spiegelt dabei die eigenen Emotionen. Hier ist unser Tanzlehrer (Abishek) dabei, Liebe zu spielen.

Für die neue Show gibt es von der Leitung des Projekts schon einen groben Plan, aber noch kein fertiges Stück. Deshalb beschlossen wir, die Kinder in Gruppen aufzuteilen und Ideen sammeln zu lassen. Jede Gruppe sollte dann ihre eigenen Ideen spielerisch umsetzen.

Daraus entstanden ist ein Feuerwerk der Kreativität und des Humors. Aber auch ganz ernste Darbietungen, die das Leben der Kinder in der Familie auf dem Land thematisiert haben, waren zu sehen.

Die Kinder haben an diesem Tag wirklich alles gegeben. Es ist kaum zu glauben, dass sie erst seit wenigen Tagen Theater spielen.

Den Abschluss des Workshops bildete ein Bühnenaufgang. Das Thema war „Die Frage Deines Lebens“. Dabei spricht jeder laut die Frage aus, die ihn am meisten beschäftigt und stellt sich mit einer passenden Pose auf die Bühne. Zum Schluss stehen alle Schauspieler als ein Bild auf der Bühne.

Am Ende des Tages waren ganz viele strahlende Gesichter zu sehen. Das ist genau das, was die Arbeit hier so einmalig macht: Man bekommt von den Kindern ganz viel zurück.

Nach getaner Arbeit gehen wir fast täglich in den Mahabodhi-Tempel zum meditieren. Dies gibt uns wieder die Ruhe und die Kraft, die wir für die meist sehr anstrengenden Tage brauchen. Außerdem ist dies ein ganz besonderer Ort. Der Überlieferung nach ist dort der Buddha unter einem Baum erleuchtet worden. Dieser Baum steht in der dritten oder vierten Generation noch immer und ist einer der beliebtesten Meditationsplätze im Tempel. Natürlich zieht dies Tausende von buddhistischen Pilgern nach Bodhgaya.

Der Mahabodhi-Tempel selbst beeindruckt mich immer wieder aufs neue. Es ist nicht nur die wundervolle Tempelanlage, sondern die friedliche und liebevolle Stimmung, die dort herrscht. Sicher ist es durch die vielen Pilger, die aus aller Welt dort sind, auch mal sehr voll. Aber die religiösen Gesänge und die Pilger selbst verbreiten eine wundervolle Stimmung. Egal ob man gläubiger Buddhist ist oder nicht, diese Stimmung schlägt sofort auf einen selbst über.

Die Kehrseite Indiens sieht man um den Tempel herum. Viele Bettler werden von den Besuchern des Tempels angezogen, in der Hoffnung auf etwas Geld oder etwas zu essen. Ein großer Teil der Bettler sind die so genannten weißen Witwen, aber auch viele Frauen, die mit ihren kleinen Kindern auf der Straße leben. Das Schicksal der weißen Witwen finde ich besonders tragisch. Dies sind Frauen, deren Männer gestorben sind und die deshalb aus ihrer Gemeinschaft ausgestoßen wurden. Dabei ergeht es diesen Frauen heute noch ein „besser“ als noch vor fünfzig Jahren. Damals wurden diese Frauen bei der Feuerbestattung ihres Mannes mit verbrannt. Grausam!

on the way

Jetzt geht es mit meinem Indien-Blog los.

Gestern Vormittag sind wir gestartet – heute Naschmittag waren wir da. Der Weg führte uns von Frankfurt über Bahrain, Delhi und Gaya bis zu unserem Ziel Bodhgaya.

Das erste Highlight erwartete uns, als wir auf dem Weg nach Bahrein den Kaukasus überflogen. Eine halbe Stunde lang gab es bei glasklarer Luft einen traumhaften Ausblick auf das Gebirge.

Nach einem Zwischenstop von vier Stunden in Bahrain starteten wir nach Delhi, das wir im Morgengrauen erreichten. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als wir uns vor der Türe erst einmal die Füße vertreten haben. Das war übrigens nicht ganz so leicht zu realisieren. Davor mussten wir einige Kontrollen und Registrierungen durch schwer bewaffnete Polizisten über uns ergehen lassen. Der Ausblick auf die erwachende Stadt hat uns dann aber entschädigt.

Sehr schnell mussten wir die indische Gelassenheit lernen. Allein bei der Einreise dauerte es fast zwei Stunden, bis die fünf Leute vor uns in der Schlange ihre Einreisegenhemigung bekommen hatten und wir endlich an der Reihe waren. Ich fühlte mich akut an die Faultierszenze aus dem Film Zoomania erinnert.

Die Begrüßung in Gaya war dann sehr herzlich. Ein Teil des Teams von www.creacting.net, das schon seit einigen Monaten vor Ort ist, empfing uns mit Blumenkränzen.

Ein Zwischenstop an einem Chai-Stand an der Straße stimmte uns dann so richtig auf Indien ein.

Nach der Ankunft in unserem Hotel „Sachi Home“ in Sujata Village, ging es erst mal in die Stadt. Einige ganz wichtige Dinge waren zu besorgen, vor allem ein Moskitozelt. Bodhgaya empfing uns mit lautem Hupen in der späten Rush-hour. Die Motorräder schlängeln sich hier durch Menschenmassen, Händler und Kühe hindurch. Verkehrsregeln scheint es keine zu geben. Wer die lauteste Hupe und den größten Mut auf der Straße hat, gewinnt.

Unsere frisch aus dem Geldautomaten gezogenen Rupien mussten wir standhaft gegen alle Arten von Verkäufern verteidigen. Hier versucht eine Frau Elke davon zu überzeugen 200 Rupien zu investieren, um einige heilige Kerzen vor eine Tempel anzuzünden.

Ein Chai auf dem Markt beschloss unseren Einkaufsbummel.

Die Bilder in diesem Blogeintrag sind bis auf das Bild von Delhi im Morgengrauen mit einer Olympus E-PL8 entstanden. Das Delhi-Bild wurde mit einem iPhone 8 Plus gemacht. Alle Bilder wurden mit Capture One bearbeitet.

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