Gerds Fotoblog

Canon EOS R mit RF 24-105mm – Der erste Eindruck

Intro

Lange schon habe ich mir überlegt, mir ein professionelles 24-105 mm-Objektiv zu kaufen. Gerade bei Hochzeiten, Events und Abibällen, was ja die Schwerpunkte meiner Arbeit sind, ist so eine Optik auf Grund ihres relativ großen Zoombereiches eine echte Hilfe. Die Fundis werden jetzt natürlich (teilweise zurecht) auf die Vorzüge von Festbrennweiten verweisen. Aber gerade wenn der Moment live festgehalten werden muss, geht doch nichts über Geschwindigkeit und Flexibilität. Außerdem ist die Qualität der professionellen Zoomobjektive mittlerweile auf einem Level angekommen, die Festbrennweiten kaum noch nachsteht.

Gerade, als ich mich entschlossen hatte, so ein Objektiv zu kaufen, kam die EOS R auf den Markt. Was tun? Weiter auf das EF-System setzen und riskieren, dass ich bald alle meine Objektive nur noch mit Adapter nutzen kann, oder auf die spiegellose Technik setzen und schon wieder sehr viel Geld ausgeben? Ich habe mich trotz der hohen Investitionskosten für das Zweite entschieden, um zukunftssicher zu sein, da ich glaube, dass die Spiegelreflexkameras keine Zukunft haben.

Dieser Artikel enthält keine Messwerte und nur wenig technische Daten. Er spiegelt aber meinen ersten, subjektiven Eindruck mit dieser Kamera wieder.

Handling und Technik

Allgemeines

Die EOS R macht einen sehr wertigen und perfekt verarbeiteten Eindruck. Sie liegt auch mit langen Brennweiten gut in der Hand. Das gegenüber der Canon 5D Mark IV deutlich geringere Gewicht entlastet Arme und Schultern erheblich.

Leider hat Canon nur einen Slot für Speicherkarten verbaut. Der Grund dafür erschließt sich mir nicht wirklich. Aber mittlerweile sind SD-Karten sehr schnell und zuverlässig geworden, so dass ich mit dieser Einschränkung leben kann.

Die EOS R legt ihre RAW Fotos jetzt im CR3-Format mit einer höheren Farbtiefe ab. Das eröffnet mehr Spielraum in der RAW-Bearbeitung.

Der Autofokus arbeitet schnell und präzise. In den entsprechenden Menüs sind eine Vielzahl von Einstellungsmöglichkeiten zur Feinjustierung des Autofokus hinterlegt. Hier kann für jede nur denkbare Aufnahmesituation der Autofokus feinjustiert werden. Super!

Hier ist die EOS R mit dem zugehörigen Batteriegriff zu sehen, den man zwingend benötigt, wenn man einen Kontakt für einen Studioblitz braucht.

Die Kamera hat WiFi,  Bluetooth und NFC an Bord. Schmerzlich vermisse ich ein eigebautes GPS  was wohl in dem kompakten Gehäuse keinen Platz mehr gefunden hat. So muss ich meine Bilder wieder manuell taggen. Es gibt eine Funktion, die das GPS des Handys anzapfen kann. Aber die Einrichtung ist kompliziert und ich habe es noch nicht zum Laufen bekommen. Ein ToDo mehr auf meiner Liste.

Bedienelemente

Hier ist einiges Umdenken, bzw. einige Umgewöhnung erforderlich. Wer viele Fotos mit einer anderen Canon Kamera geschossen hat, braucht hier schon etwas Zeit, um die EOS R wirklich schnell und blind bedienen zu können.

Es gibt zwei Einstellräder, eine Cursor-Steuerung und die üblichen, Canon typischen Knöpfe. Dazu noch eine Touch-Feld (Multifunktionsleiste). Dazu später mehr.

An den RF-Objektiven ist ein Einstellring angebracht, den man sehr frei mit Funktionen belegen kann . Ich habe mir hier die Belichtungskorrektur draufgelegt. Das ist sehr hilfreich, wenn ich mal nicht manuell fotografieren möchte.

Neu ist auch die Multifunktionsleiste. Dies ist ein Touchfeld, welches auf Tippen und Streichen reagiert und in den Einstellungen mit den verschiedensten Funktionen belegt werden kann. Im Auslieferungszustand ist es deaktiviert.

Die Kamera ist viel stärker auf Touch-Bedienung auf dem Bildschirm ausgelegt, als ihre Spiegelreflex-Pendants. So gibt es zum Beispiel keine Q-Taste mehr. Die ist jetzt auf dem Touchscreen zu finden.

Wenn man erst einmal drin hat, wo die einzelnen Bedienelemente liegen, geht die Arbeit mit der EOS R sehr gut und schnell von der Hand. Genial finde ich dabei das Einstellrad an den RF-Objektiven, dass die Arbeit wesentlich schneller und präziser werden lässt. Für EF-Objektive gibt es zwei Adapter. Einen mit- und einen ohne Einstellring. Ich empfehle sehr, den Adapter mit Einstellring zu kaufen, der zwar deutlich teuer ist, aber diese Funktion der RF-Objektive für die EF-Optiken zugänglich macht.

 

Sucher

Ich hatte ja so meine Bedenken mit dem Thema Sucher. Die optischen Sucher an meinen anderen Kameras habe ich wirklich lieben gelernt.

Die erste Überraschung habe ich dann auch im Studio erlebt, als ich erst einmal gar nichts gesehen habe, da der Sucher in den Standard-Einstellungen die korrekte Belichtung anzeigt. Ich hatte aber nur das Einstelllicht an. Nach langem Suchen habe ich dann den Menüpunkt “Belichtungssimulation” im dritten Kameramenü gefunden, den ich dann auf “Während” gestellt habe. Damit hast ich dann auch im Studio wieder den Durchblick.

Die erste Schrecksekunde hat sich dann aber ziemlich schnell in Begeisterung umgewandelt. Der Sucher hat eine für mich nicht wahrnehmbare Verzögerung. Ich sehe das Bild in der korrekten Belichtung und habe alle Zusatzinformationen, die ich benötige, im Blickfeld. Das Bild im Sucher ist knackscharf. Die Kontrolle über das zukünftige Bild wird dadurch deutlich besser. Die Anzahl der daneben gegangenen Aufnahmen reduziert sich deutlich.

Mittlerweile hat sich meine Meinung über elektronische Sucher zu 180 Grad gedreht. Zumindest, wenn die Sucher diese Qualität haben.

Bildschirm

Der Touch-Screen der EOS R war für mich einer der Kaufgründe für diese Kamera. Endlich gibt es von Canon eine professionelle Kamera, die einen voll beweglichen Bildschirm hat.

Der Bildschirm ist immer an, wenn die Kamera eingeschaltet und nicht am Auge ist.

Über den Bildschirm kann man per Touch fokussieren und auslösen. Auch eine sehr flüssig funktionierende Gestensteuerung ist enthalten, mit der man Bilder schnell durchscrollen, vergrößern oder verkleinern kann. Auch die Bedienung der umfangreichen Menüs ist über Touch möglich.

Da der Bildschirm in allen Achsen beweglich ist, sind endlich auch keine Verrenkungen mehr nötig, wenn zum Beispiel Makroaufnahmen am Boden angefertigt werden.

Der Bildschirm kann so in die Kamera eingeklappt werden, dass das Display abgedeckt ist. So ist es beim Transport gut geschützt.

Bilder und Objektiv

Ich habe die Kamera als Kit mit dem RF 24-105 mm gekauft. Mein erster Eindruck von diesem Objektiv hat meine ohnehin sehr hohe Meinung von den Canon-Objektiven noch einmal mehr bestätigt. Dieses Objektiv ein wirklich gutes Glas für den alltäglichen Einsatz.

Die Lichtstärke geht zwar nur bis Blende 4 aber das ist bei einem Objektiv für Vollformatkameras zu verschmerzen.

Hier ein Bild mit 105 mm Brennweite:

 

Das gleiche Motiv noch einmal vom gleichen Standpunkt mit 24 mm Brennweite:

Und hier bin ich mal ganz nah ran gegangen.

Fazit

Die EOS R mit dem RF 24-104 mm ist ein zuverlässiges Arbeitspferd für den professionellen fotografischen Alltag. Mit 3500,- € im Kit ist sie sicher zu teuer für Amateure.

Die Kamera ist für alle nur denkbaren Aufnahmesituationen gerüstet. Mein Eindruck von der Abbildungsqualität ist hervorragend.

Schmerzlich vermisse ich einen integrierten GPS-Empfänger und einen Anschluss für Studioblitze an der Kamera selbst. Das sind aber Probleme, die man umschiffen kann.

Trotzt der Minus-Punkte kann ich eine klare Kaufempfehlung aussprechen.

3 thoughts on “Canon EOS R mit RF 24-105mm – Der erste Eindruck

    1. Das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Ich selbst habe das gerade bei Hochzeiten und Events zu schätzen gelernt, wenn man mit sich ständig ändernden Lichtverhältnissen zu tun hat.

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